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Veröffentlicht am 07.04.2013 in Caminus

Das Schornsteinfegermonopol ist gefallen – Was hat sich geändert?

Das Schornsteinfegermonopol ist gefallen – Was hat sich geändert?

EU contra Schornsteinfegermonopol

Mit Beginn des Jahres 2013 wurde das Schornsteinfegerhandwerk für den Wettbewerb geöffnet. Erreicht wurde dies durch die Umsetzung des Vertragsverletzungsverfahrens. Dieses hatte die Europäische Kommission bereits 2003 gegen Deutschland eingeleitet. Ihr war das seitherige Schornsteinfegergesetz ein Dorn im Auge. Bemängelt wurde, dass es nicht mit der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit vereinbar sei.

Dieser Zustand ist nun aufgehoben. Künftig können sich Haus- und Wohnungseigentümer selbst aussuchen, wer die turnusmäßigen Arbeiten wie Kehren, Überprüfung der Abgaswege und Emissionsmessungen durchführt. Für hoheitliche Aufgaben wie Bauabnahmen und Feuerstättenschau sind jedoch die Bezirksbevollmächtigten zuständig, die sich für die Dauer von sieben Jahren für einen bestimmten Kehrbezirk bewerben können.

Jahrzehnte lang wussten Hausbesitzer: Wenn ein Zettel an der Haustür klebt, kündigt sich der Schornsteinfeger an. Dann galt es nur noch dafür zu sorgen, dass der schwarze Mann auch ins Haus reinkommt. Anfang 2013 ist nun das Schornsteinfegermonopol gefallen.

Konkurrenz belebt das Geschäft, so dachte man sich. Seit dem 01. Januar 2013 können Hausbesitzer selbst entscheiden, wer den Kamin kehrt, die Heizung überprüft oder die Abgase misst. Auch über Preise kann verhandelt werden.

Doch nun stellt sich raus, in den meisten Gegenden hat sich nicht wirklich etwas verändert. Diejenigen, die mit „ihrem“ Schornsteinfeger seither zufrieden waren, halten ihm auch jetzt die Treue. Außerdem scheint vielen die Suchen nach einem neuen und günstigeren Schornsteinfeger viel zu kompliziert.

Neue Schornsteinfeger-Regeln bringen keine Ersparnis

Wirklich Kosten sparen können Hausbesitzer bislang auch nicht, stellt Stephan Langer vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks fest. Zwar würden die Preise nun vom Markt bestimmt, jedoch orientierten sie sich weitestgehend an den vorherigen Tarifen, so seine ernüchternde Bewertung. „Seit Januar sind die Schornsteinfegerkosten sogar leicht angestiegen“, berichtet Langer und fügt ergänzend hinzu:

„Bestimmte Dienstleistungen wie Feuerstättenschau, die Feuerstättenabnahme und das Ausstellen des Feuerstättenbescheids verbleiben als hoheitliche Aufgabe ohnehin bei den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegern“.

Und so kommt, was kommen muss: Im Wesentlichen bleibt alles beim Alten. Der Wechsel zu kompliziert, der alte Schornsteinfeger eigentlich ein sympathischer Kerl und der Spruch „Neue Besen kehren gut“ auch nur eine Redensart aus vergangenen Zeiten.

Freie Schornsteinfeger dürfen nicht alle Tätigkeiten ausführen

Insbesondere hoheitliche Aufgaben darf ein freier Schornsteinfeger nicht erledigen. Dazu zählen beispielsweise:

  • die Durchführung der Feuerstättenschau, Prüfung der Betriebs- und Brandsicherheit der Anlagen sowie der Erlass eines Feuerstättenbescheides
  • die Meldung von Mängeln an Feuerungsanlagen, die bei der Feuerstättenschau oder einer sonstigen Überprüfung festgestellt wurden,
  • das Führen des Kehrbuches und die Kontrolle, ob die vorgeschriebenen Schornsteinfegerarbeiten durchgeführt werden
  • das Ausstellen von Bescheinigungen zu Bauabnahmen nach Landesrecht.

Diese Aufgaben bleiben in Deutschland nach wie vor den früheren Bezirksschornsteinfegermeistern vorbehalten, die seit dem 1. Januar 2013 zu Bezirksbevollmächtigten umfirmieren.

Freie Wahl des Schornsteinfegers – so geht’s

Seit 2013 dürfen Sie Ihren Schornsteinfeger frei wählen. Berechtigt zur Durchführung der Arbeiten ist jeder, der bei einer Handwerkskammer seine Qualifikation und Fachkunde nachgewiesen hat. Er wird dann in ein zentrales Register eingetragen. Dieses wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle geführt und kann online abgefragt werden. Internet-Adressen: www.bafa.de und www.schornsteinfeger.de