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Veröffentlicht am 07.04.2013 in Caminus

Gesandter des Teufels oder Glücksbote?

Gesandter des Teufels oder Glücksbote?

Die Geschichte des Schornsteinfegers

Haben Sie nicht auch schon mal mit dem Finger die Jacke eines Schornsteinfegers, der Ihnen auf dem Weg zur Arbeit begegnet ist, berührt? Das bringt Glück, sagt man. Aber warum eigentlich?

In früheren Zeiten kam es einer Katastrophe gleich, wenn der Kamin verstopft war oder nicht mehr zog. Es wurde schnell kalt im Haus und auch das Essen konnte nicht mehr zubereitet werden. In dieser Situation konnte nur noch der eiligst herbeigeholte Kaminfeger die Rettung bringen. Er befreite mit seinem Besen den Kamin vom Ruß und es war wieder möglich zu heizen und zu kochen. Er hatte das „Glück“ zurück ins Haus gebracht. Außerdem hatte die Reinigung des Schornsteins natürlich auch den Vorteil, dass sich der darin befindliche, angestaute Ruß nicht so schnell entzündete und so einen Häuserbrand verursachte. Damals übrigens keine Seltenheit. Durch Funkenflug und Kaminbrände kam es zu zahlreichen Feuersbrünsten. Ganze Dörfer und Städte wurden dabei in Schutt und Asche gelegt.

Doch der „schwarze Mann“ war nicht nur Glücksbote. Wegen seiner rußgeschwärzten Haut und der schwarzen Kleidung wurde er auch dem Teufel gleichgestellt. Und erst als in unserer Zeit die Schornsteinfegergesellen zu Neujahr die Jahreskehrrechnung und ein Kalenderblatt, verbunden mit den besten Glückwünschen für das kommende Jahr ins Haus brachten, dachte wirklich kein Mensch mehr an die vermeintlich schwarze Seele des Schornsteinfegers.

Erste Schornsteinfeger aus Italien

Man nimmt an, dass das Handwerk des Schornsteinfegers in Italien seinen Ursprung hat und mit der Entwicklung der Schornsteine einher ging. Die Tatsache, dass der Bau der ersten Schornsteine nach Italien verlegt worden ist – nach einer Inschrift sollen im Jahre 1347 bei einem Erdbeben in Venedig viele Schornsteine (molle camina) heruntergeworfen worden sein – und aus einer Urkunde, wonach im Jahre 1331 in Prag dort in Gefangenschaft befindliche Italiener das Auskehren der Feuerkanäle vornahmen, schließt man wohl nicht zu Unrecht, dass die ersten Schornsteinfeger aus Italien nach Deutschland gekommen sind.

Die wandernden Schornsteinfeger kamen aus dem Tessin, aus Savoyen, Piemont und Graubünden. Noch im 19. Jahrhundert holten sich viele Kaminkehrer ihren Nachwuchs von dort. Nicht selten waren die Buben erst elf Jahre alt, als sie ihre Lehrzeit antraten. Das Durchschnittsalter lag jedoch bei 13 – 14 Jahren. Ein Grund, warum gerne ganz junge Lehrbuben beschäftigt wurden war, dass die Kinder mit Knie- und Rückenarbeit in die Schornsteine steigen mussten um diese zu reinigen. Eine wahrlich schwere Arbeit und kaum etwas für einen gestandenen Mann. Denn dieser hätte mit Sicherheit nicht in den Schornstein gepasst. Die Reinigung vom Dach aus war damals noch die Ausnahme. Santa Clara beschrieb 1699 die Arbeit der Buben wie folgt: “ „… und ist fürwahr nicht eine leichte Sach, indem andere zum Steigen die Füß brauchen, diese aber die Knie, womit sie so wunderbarlich in alle Höhe hinauf klettern, und mit ihrer Arbeit, Fleiß und Obsorg denen gefährlichen Feuers-Brunsten wissen vorzubiegen“. Noch 1972 gehörte in Berlin diese Art des Besteigens und Reinigens zur Gesellenprüfung.

War der Schornsteinfeger auf der Walz, mussten außen am Felleisen das Kratzeisen und die Schlappschuhe sichtbar befestigt sein.

Erste Brand- und Feuerverordnungen

Immer wieder kam es durch Kaminbrände und Funkenflug zu Stadtbränden. Um diesen Vorzubeugen, entstanden im hohen und späten Mittelalter die ersten Brandordnungen bzw. Feuerverordnungen.

Verfasst und verbreitet wurden die Feuerverordnungen vom Landesherren oder anderen städtischen Obrigkeiten. Gelegentlich wurden sie überarbeitet und novelliert. In manchen Feuerverordnungen wurde das regelmäßige kehren des Schornsteins zwingend vorgeschrieben. So erließ zum Beispiel die Stadt Breslau in einer am 4. August 1578 verfassten Urkunde über die „Neuaufgerichtete Feuerordnung“ Kehrbezirke für Schornsteinfeger in der Stadt. Preußens König Friedrich Wilhelm I erließ am 2. April 1727 eine Verordnung, die Vorschriften für Schornsteine, die Errichtung von Kehrbezirken, die Begutachtung der Feuerstätten und die Haftung des Schornsteinfegers bei Schäden enthielt. Die Schornsteinfeger reinigten nun nicht mehr nur die Schlote, sondern wachten auch über die Einhaltung von Sicherheits- und Bauvorschriften. Doch erst im 18. Jahrhundert konnten die meisten Feuerschutzbestimmungen für das Land so richtig Fuß fassen.

Der Schornsteinfeger heute

Bis in die heutige Zeit hinein ist die Arbeit des Schornsteinfegers unabkömmlich, wenn es um Sicherheit und Feuerprävention geht. Doch geht die Arbeit des modernen Schornsteinfegers mittlerweile weit über das Reinigen der Kamine und die Besichtigung der Feuerstätten hinaus. Luftverschmutzung und Klimawandel sind zentrale Themen unserer Zeit – und zentrale Themen des Schornsteinfegerhandwerks. Neben Besen und Kehrleine arbeitet der Schornsteinfeger heute mit modernster Technik. Er misst Emissionen, also Schadstoffe, die zum Beispiel bei der Verbrennung von Erdöl in Heizungsanlagen entstehen und an die Umwelt abgegeben werden. Außerdem prüft er, ob Brennstoffe wie Erdöl oder Gas optimal genutzt werden. Auch beim Bau oder Umbau eines Hauses beraten die Sicherheits-, Umwelt- und Energieexperten, damit beim Heizen möglichst wenig Abgase entstehen, der Energieverbrauch niedrig bleibt und natürlich in punkto Sicherheit alles stimmt. Welch ein Glück, dass es den Schornsteinfeger gibt!

Kehrbezirke gelten seit 1869

In Deutschland wurden bereits 1869 die Kehrbezirke eingeführt. Diese gelten auch nach der Neuordnung und Liberalisierung des Marktes ab 2013 weiter. Zuständig sind in staatlichem Auftrag die Bezirksbevollmächtigten, die sich künftig alle sieben Jahre neu um den jeweiligen Kehrbezirk bewerben müssen. In Deutschland gibt es knapp 8000 Bezirke von denen ca. 50 durch Frauen geführt werden.

Schornsteinfegern fehlt Nachwuchs

Wie bei so vielen Berufen im Handwerk sieht es auch bei den Schornsteinfegern mit dem Nachwuchs knapp aus. Auch in diesem Jahr meldete der Bundesverband, dass einige hundert Lehrstellen unbesetzt geblieben sind. Weiterhin setzt der Verband daher auf eine höhere Attraktivität, will das Berufsbild weiter ausbauen – dazu zählen auch neue Tätigkeitsfelder in der Energieberatung. Mehr Attraktivität entsteht auch durch die Neuregelung des Sektors ab 2013. Nun besteht für junge Schornsteinfeger die Möglichkeit, sich früher als bisher selbständig zu machen. Der Verband erwartet auch dadurch eine Steigerung der Attraktivität.