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Veröffentlicht am 04.12.2013 in Caminus

Den Schornsteinfegern geht der Nachwuchs aus

Den Schornsteinfegern geht der Nachwuchs aus

Sie gelten als Glücksbringer und wer hat nicht schon mal versucht, verstohlen mit dem Finger an die schwarze Jacke seines Schornsteinfegers zu tippen um so ein bisschen Glück für den Tag zu erhaschen? Doch die Glücksbringer werden knapp. Rund 400 Ausbildungsplätze in 8.000 Betrieben werden nach Angaben des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks bis zum Jahr 2015 unbesetzt bleiben. Eine dramatische Entwicklung. So rechnet beispielsweise der Landesinnungsverband der Schornsteinfeger in Schleswig-Holstein bis 2016 mit einem massiven Generationswechsel. 70 der 270 Schornsteinfegermeister treten in den kommenden vier Jahren in den Ruhestand. „Bundesweit sieht es vergleichbar aus. Diese hohe Zahl an ausscheidenden Kollegen müssen wir abfedern“, so Thomas Albrecht, Bezirksschornsteinfegermeister aus Reinfeld und Sprecher der schleswig-holsteinischen Schornsteinfeger. Probleme, die Meisterstellen neu zu besetzen gibt es momentan nicht. Noch gibt es genügend Gesellen, die nachrücken können. Problematischer wird es, die freien Gesellenstellen zu besetzen, denn hier fehlt der Nachwuchs.

Beruf des Schornsteinfegers unattraktiv für Jugendliche?

Im Sommer schwitzen, im Winter frieren und dann auch noch ab und zu mal nass werden – darauf haben Jugendliche keinen Bock. Obwohl der Beruf des Schornsteinfegers sehr viel Abwechslung bietet und somit alles andere als langweilig ist, führt er auf der Skala der beliebtesten Berufe ein mickriges Nischendasein. Andere, vor allem besser bezahlte Berufe sind gefragt. Viele Jugendliche bringen aber auch die geforderten Voraussetzungen nicht mit, um das traditionelle Handwerk des Schornsteinfegers zu erlernen. Die Ausbildungsanforderungen sind hoch. Logisches Denken, sehr gute Mathematik- und Deutschkenntnisse sowie ausgezeichnete Umgangsformen sind gefragt. Schwindelfrei sollte ebenfalls sein, wer als Schornsteinfeger hoch hinaus will.

Um jugendliche Schulabgänger über den Beruf des Schornsteinfegers zu informieren, betreibt der Bundesverband die Internetseite www.tag-des-schornsteinfegers.de. Alles Wissenswerte rund um den Beruf wird hier in zeitgemäßer Sprache und Gestaltung vermittelt, Perspektiven werden aufgezeigt. Denn das Berufsbild des Schornsteinfegers hat sich verändert. Natürlich werden auch heute noch Kamine gekehrt und Ofenrohre gereinigt. Daneben messen Schornsteinfeger aber auch Feinstaub- und Kohlenmonoxid-Emissionen, überprüfen Heizungsanlagen und Kaminöfen und betätigen sich, eine Zusatzausbildung vorausgesetzt, als Energieberater. Viele Schornsteinfegerbetriebe erweitern ihre Dienstleistungsangebote um bei veränderten Marktbedingungen konkurrenzfähig zu bleiben. Interessant ist der Beruf des Schornsteinfegers daher vor allem für motivierte Schulabgänger, ganz gleich ob mit mittlerem, Fachhochschul-Abschluss oder Abitur. Neben der dreijährigen Ausbildung können die Lehrlinge die Fachhochschulreife erwerben oder an einem dualen Studienprogramm in den Bachelor-Studiengängen Versorgungs-, Entsorgungs- oder Gebäudetechnik teilnehmen und so frischen Wind in die Betriebe bringen.

Bild: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks