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Veröffentlicht am 29.10.2013 in Wellness - Lifestyle - Reisen

Auf den Spuren der Lappen: Aktivurlaub im hohen Norden

Auf den Spuren der Lappen: Aktivurlaub im hohen Norden

Unberührte Landschaft, fischreiche Seen, Elche mit imposanten Geweihen, Bären auf der Suche nach wildem Honig, das nächtliche Heulen der Wölfe, die riesigen Rentierherden der Sami, wie sich die Ureinwohner Lapplands nennen und spektakuläre Polarlichter am Himmel – das ist Lappland.

Lappland ist kein Land im eigentlichen Sinne sondern ein Landstrich, der von der Ostsee nach Westen über flache Taigagebiete langsam ansteigt und an der schwedisch-norwegischen Grenze Berghöhen von ca. 2000 Metern erreicht. Der höchste Berg Lapplands ist der 2097 Meter hohe Kebnekaise (Schweden).

Auf der Halbinsel Kola in Russland sind die Berge ca. 1200 Meter hoch. Viele große Flüsse durchströmen Lappland, so der Torneälv, der Luleälv, der Tanaälv, der Kemijoki oder der Ivalojoki. Der größte See Lapplands ist der Inarisee in Finnland. Er ist fast zweimal so groß wie der Bodensee. Die Bevölkerungsdichte Lapplands liegt bei zwei Einwohnern pro Quadratkilometer. Die meisten Menschen leben in den größeren Städten wie Kiruna (Schweden), Rovaniemi (Finnland) oder Tromsø (Norwegen).

Lappland ist ausserdem die Heimat der größten zusammenhängenden Wildnis Europas: Laponia. Es ist ein Weltnatur- und Weltkulturerbe mit grandiosen Naturreservaten, in denen Sie sich verlieren können, wenn Sie zu sich finden wollen, denn abseits der ausgezeichneten Wanderrouten werden Sie tagelang auf keinen anderen Wanderer treffen, der Ihre Einsamkeit stört.

Das Klima in Lappland

Das Klima in Lappland ist extrem. So kann es im Winter durchaus einige Wochen lang minus 30 Grad haben. Im Winter 1999 gab es eine Messung von minus 59 Grad. Die Sommertemperatur liegt im Juli bei um die 20 Grad, manchmal ist es auch 30 Grad warm. Aber auch in Lappland ist die Klimaerwärmung zu spüren. Das merkt man an den immer schwächer werdenden Permafrostböden in Russland. 2010 gab es beispielsweise im Mai schon Temperaturen von über 20 Grad.

Flora und Fauna

Kiefern-, Fichten- und Birkenwälder, aber auch Weiden und Ebereschen bestimmen wesentlich das Bild Lapplands. Wandert man in den Bergen, dann läuft man vor allem durch kleine Fjällbirken, (Fjäll bedeutet Berg auf Schwedisch) durch Gräser und Zwergstrauchheiden, durch Moose und Flechten und sieht ein Meer von kleinen Blumen wie die Rosenwurz, die Blauheide oder die Alpenscharte. Eine der bekanntesten Beeren in Lappland ist die Moltebeere, die in den Moorgebieten wächst. Und dann gibt es natürlich, wie in ganz Skandinavien, die Blaubeeren und Preiselbeeren. Vor allem die wild wachsenden Blaubeeren sind mit ihrem intensiven Geschmack eine Delikatesse.

Neben unzähligen Vögeln wie dem Singschwan, dem Adler, neben Rebhühnern, Auer- und Schneehühnern gibt es in Lappland Elche, Rentiere, Braunbären, Füchse, aber auch Luchse, Wölfe und den Vielfraß. Zudem gibt es Marder, Wiesel, Lemminge und so langsam überwintern auch Igel, Rehe und sogar Kreuzottern. Das Rentier ist jedoch das Tier, das man in Lappland am häufigsten sieht. Autofahrer sollten äußerst aufmerksam fahren, denn nicht immer sind die Straßen durch Zäune gesichert. Bären bekommt man in Lappland kaum zu Gesicht. Sie sind scheue Tiere und vermeiden den Kontakt zum Menschen. Lediglich wenn sie Junge haben oder sich bedroht fühlen, können sie angreifen.

Lichtspektakel am Himmel

Nord- oder Polarlichter

Nord- oder Polarlichter:
Elektrisch geladene Teilchen der Magnetosphäre, die auf Ionen in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen, erzeugen die geheimnisvollen Lichteffekte.

Ab Mitte März scheint die Sonne in Lappland länger als in Mitteleuropa und ab ca. Mai bis Juli ist es rund um die Uhr hell. Schnell verliert man hier das Zeitgefühl, kann man doch um Mitternacht ohne künstliches Licht ein Buch lesen, spazieren gehen oder die Angel auswerfen. Im Winter dagegen ist Polarnacht. Die Sonne scheint ca. sechs Wochen lang nicht mehr und die einzigen natürlichen Lichtquellen sind das Funkeln des Eises und das Glitzern des Schnees. Und, wenn man Glück hat, kann man in der Nacht Nordlichter sehen. Die Farben reichen von grün-blau über rot-violett. Wilde Geister flackern über den Horizont. Das ist ein unbeschreibliches Naturschauspiel und viele Urlauber kommen allein wegen des Nordlichts nach Lappland.

Lappland

Aktivitäten in Lappland

Wandern, Jagen und Fischen, Kanu fahren, Golfspielen unter der Mitternachtssonne, Hundeschlittenfahrten, Rentierwanderungen, Skooter fahren, Eisfischen, Ski laufen, Schneeschuh laufen, im Iglus oder Eishotel schlafen, Nordlichter beobachten, die finnische Sauna genießen – all das und noch vieles mehr können Sie in Lappland unternehmen. Großer Beliebtheit erfreut sich vor allem aber das Wandern in Lappland. In Finnland gibt es sehr viele, gut ausgebaute Wanderwege mit Windschutzhütten in denen man übernachten kann.

Karte FinnlandMit zu den schönsten Wanderwegen in Finnland gehört die „Telatie“, das ist ein sehr gut mit Holzbohlen und Windschutzhütten erschlossener Wanderweg durch eines der großen Moore Finnlands.

Auch das Saariselkä, Finnlands Wander- und Winterzentrum No. 1 und der Kevo Trail, ein Geheimtipp im äußersten Norden Finnlands, nahe dem Inari See sind einen Besuch wert.

In Norwegen können Sie am Alta Canyon wandern; zudem bieten die Varanger Halbinsel mit ihrer grandioser Tundra oder der Pasvik Nationalpark viele Möglichkeiten für Tagestouren. Viele Wanderer ziehen das schwedische Lappland zum Wandern vor. Hier liegt Laponia, das Weltnatur- und Weltkulturerbe mit den vier Nationalparks Muddus, Sarek, Padjelanta und Stora Sjöfallet.

Zudem gibt es einige grandiose Naturreservate wie beispielsweise das Rapadalen. Der höchste Berg Lapplands, der Kebnekaise, liegt ebenfalls in Schweden. Der wohl bekannteste Wanderweg Lapplands ist der Kungsleden in Schweden.

Viele Wanderer starten vom nördlichsten Punkt, von Abisko aus, und laufen in wenigen Tagen durch eine überwältigende Landschaft zum Samidorf Nikkaluokta. Die meisten folgen hier dem Weg nach Osten und legen an der Fjällstation des Kebnekaise eine Pause ein. Von dort aus können Sie die Gipfel mehrerer Berge und natürlich auch den des Kebnekaise erklimmen. Eine andere Möglichkeit zum Kebnekaise zu gelangen, ist der Flug mit dem Helikopter von Kiruna aus zur Bergstation „Kebnekaise“. Wollen Sie den Kungsleden weiter Richtung Süden weiterlaufen, dann geht es von Nikkaluockta nach Saltoluockta (wo im August das jährliche Musikfestival stattfindet) und von dort aus immer weiter Richtung Süden nach Kvikkjokk, Ammarnäs, bis zur Endstation Hemavan.

Lappland - Elch

Reisezeit

DIE beste Reisezeit für Lappland gibt es nicht, denn jede Jahreszeit hat ihren besonderen Reiz

Frühlingswinter (Mitte März bis April):
Jetzt ist es nicht mehr so kalt und wenn Sie Ski laufen möchten, Skooter oder Hundeschlitten fahren, dann ist nun die beste Jahreszeit dafür. Denn die Sonne strahlt in Lappland nun schon länger als in Mitteleuropa.

Frühling und Frühlingssommer (Mai und Juni):
Ski fahren ist in den Bergen immer noch möglich und Sie können auch erste Wanderungen unternehmen (Gummistiefel nicht vergessen wegen der Frühlingsbäche).

Sommer (Juli):
Jetzt ist Hochsaison der Wanderer und der Mücken

Herbst (August):
Die Mücken werden weniger, die ersten Farben zeigen sich.

Herbstwinter (September/Oktober):
In Finnland beginnt die Ruska (im September), die Färbung der Laubwälder; eine Explosion von Farben setzt ein, vergleichbar mit dem Indian summer.

Winter:
Der Winter ist kalt und ungemütlich, aber dort, wo Schnee liegt, wird es nicht richtig dunkel. Jetzt ist die Zeit der Nordlichter und Zeit für die finnische Sauna.

Buchtipp:

National Geographik. Lappland: Das Alaska Europas (Bildband), 2009. Die preisgekrönten Fotografen Erlend und Orsolya Haarberg haben Lappland monatelang mit Zelt und Rucksack bereist.

Buchtipps für den Rucksack:

Peter Mertz, Wandern in Lappland, Bergverlag Rother, 2007

Karl Heinz und Maria Kramberg, Lieber in Lappland (Reisebericht, über finnisch Lappland/Inari-See), Latka Verlag 2002

Frank-Peter Herbst und Peter Rump, Skandinavien der Norden (Reiseführer) Reise Know-How Verlag, 10. aktualisierte Auflage 2007

Peter Bickel, Nordskandinavien – Der Wanderführer: Nordkalottleden, Kungsleden, Padjelantaleden

Fotos:

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